Wer neu nach Deutschland kommt, steht oft vor einem klassischen Henne-Ei-Problem: Ohne Bankkonto bekommt man kaum eine Wohnung, ohne Wohnung kein Konto. Doch was viele nicht wissen: Seit 2016 garantiert das Zahlungskontengesetz (ZKG) in Deutschland jedem Menschen das gesetzliche Recht auf ein sogenanntes Basiskonto — unabhängig von Nationalität, Aufenthaltsstatus oder Schufa-Eintrag. Banken dürfen diesen Antrag nur in wenigen Ausnahmefällen ablehnen. Dieses Wissen kann Einwanderern buchstäblich Monate an Aufwand und hunderte Euro an unnötigen Gebühren ersparen.
Das Problem:
Viele Einwanderer wissen nicht, dass Banken in Deutschland laut §31 ZKG verpflichtet sind, jedem ein Basiskonto zu eröffnen — unabhängig von Aufenthaltsstatus oder Schufa. Wer das nicht weiß, zahlt oft unnötige Gebühren oder hat gar kein Konto. Laut einer Studie der Deutschen Bundesbank hatten noch 2022 schätzungsweise 100.000 Menschen in Deutschland kein Konto — viele davon Migranten und Geflüchtete, die einfach nicht über ihre Rechte informiert waren.
Was ist das Basiskonto und wer hat Anspruch darauf?
Das Basiskonto, auch „Konto für Jedermann" genannt, ist ein gesetzlich verankertes Grundkonto mit eingeschränkten Funktionen. Es ermöglicht das Empfangen und Versenden von Überweisungen, die Nutzung einer Girocard sowie Daueraufträge und Lastschriften. Kreditrahmen oder Überziehungsmöglichkeiten sind in der Regel nicht enthalten — das ist jedoch bewusst so gestaltet, um das finanzielle Risiko zu begrenzen.
Anspruch auf ein Basiskonto haben gemäß §31 ZKG alle Personen, die sich rechtmäßig oder geduldet in der Europäischen Union aufhalten — also auch Asylsuchende mit laufendem Verfahren, Personen mit Duldungsstatus und EU-Bürger ohne festen Wohnsitz. Die Bank muss innerhalb von zehn Werktagen nach vollständigem Antrag reagieren und darf nur ablehnen, wenn zum Beispiel gegen den Antragsteller ein Strafverfahren wegen Geldwäsche läuft oder bereits ein Basiskonto bei einem anderen Institut besteht.
Wichtig zu wissen: Eine Ablehnung wegen negativer Schufa, fehlender Meldebescheinigung oder unvollständiger Sprachkenntnisse ist rechtswidrig. Wer abgelehnt wird, kann sich an die Verbraucherzentrale wenden oder die Schlichtungsstelle der jeweiligen Bank anrufen.
Basiskonto-Gebühren im Vergleich: Was kosten die großen Banken?
Das Gesetz schreibt vor, dass Basiskonten zu „angemessenen" Konditionen angeboten werden müssen. Was „angemessen" bedeutet, legt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) fest. In der Praxis verlangen traditionelle Banken für ihr Basiskonto jedoch deutlich mehr als für ein reguläres Konto — mit der Begründung des erhöhten Verwaltungsaufwands.
| Bank | Monatliche Gebühr | Girocard | Online-Banking | Überweisungen | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| Sparkasse | ~8–13 € | ✔ | ✔ | ✔ | Regional unterschiedliche Preise |
| Deutsche Bank | ~8,99 € | ✔ | ✔ | ✔ | PhotoTAN-App, Filialservice |
| Postbank | ~9,90 € | ✔ | ✔ | ✔ | Postfilialen als Servicepunkte |
| Commerzbank | ~9,90 € | ✔ | ✔ | ✔ | Comdirect-Zugang inklusive |
| DKB (Deutsche Kreditbank) | 0 € (reguläres Konto!) | ✔ | ✔ | ✔ | Kein Basiskonto nötig — reguläres Konto kostenlos |
Die Tabelle zeigt: Wer bei einer Filialbank ein Basiskonto eröffnet, zahlt jeden Monat 8–13 Euro — also bis zu 156 Euro im Jahr. DKB und N26 hingegen bieten vollwertige Girokonten kostenlos an, für die keine Basiskonto-Regelung benötigt wird. Der kluge Weg ist daher: Zuerst versuchen, ein reguläres kostenloses Konto zu eröffnen; nur wenn das scheitert, auf das gesetzliche Basiskonto-Recht pochen.
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Viele Einwanderer fragen sich, ob sie wirklich ein Basiskonto brauchen oder ob sie nicht gleich ein reguläres Konto eröffnen können. Die Antwort hängt von der persönlichen Situation ab. Hier der direkte Vergleich:
| Merkmal | Basiskonto (§31 ZKG) | Reguläres Girokonto |
|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | Gesetzlicher Anspruch (ZKG) | Vertragliche Vereinbarung |
| Ablehnungsmöglichkeit | Sehr eingeschränkt | Bank entscheidet frei |
| Überziehungsrahmen | ✗ Nicht vorgesehen | ✔ Möglich |
| Girocard / Debitkarte | ✔ Enthalten | ✔ Enthalten |
| Online-Banking | ✔ Enthalten | ✔ Enthalten |
| SEPA-Überweisungen | ✔ Enthalten | ✔ Enthalten |
| Kreditkarte | ✗ In der Regel nicht | ✔ Oft inklusive oder zubuchbar |
| Durchschnittliche Kosten | 8–13 €/Monat | 0–10 €/Monat (je nach Bank) |
| Schufa-Anforderung | ✔ Nicht relevant | ✗ Oft geprüft |
So beantragen Sie ein Basiskonto: Schritt für Schritt
Der Antragsprozess ist einfacher als viele denken. Hier der praktische Ablauf:
- Bank auswählen: Wählen Sie eine Bank in Ihrer Nähe oder eine Direktbank. Bei Neobanken wie N26 oder DKB ist in der Regel kein Basiskonto nötig, da die Anforderungen deutlich geringer sind.
- Unterlagen vorbereiten: Sie benötigen einen gültigen Lichtbildausweis (Reisepass, Personalausweis oder Ausweisersatz), Ihren Namen und aktuelle Adresse in Deutschland. Eine Meldebescheinigung ist hilfreich, aber keine Pflichtvoraussetzung für das Basiskonto.
- Antrag stellen: Besuchen Sie die Filiale oder nutzen Sie das Online-Formular. Verweisen Sie explizit auf §31 ZKG, wenn Sie auf Widerstand stoßen.
- Bei Ablehnung: Fordern Sie die Ablehnung schriftlich mit Begründung. Reichen Sie dann eine Beschwerde bei der BaFin oder der zuständigen Schlichtungsstelle ein. Die Banken nehmen solche Beschwerden sehr ernst.
- Konto nutzen: Sobald das Konto eröffnet ist, können Sie Gehalt, Sozialleistungen und andere Zahlungen empfangen und reguläre SEPA-Überweisungen tätigen.
Die bessere Alternative: Kostenlose Neobank-Konten ohne Basiskonto
Für viele Neuankömmlinge in Deutschland ist das Basiskonto bei einer Filialbank nicht die optimale Lösung — schon allein wegen der hohen monatlichen Gebühren. Neobanken wie N26 und DKB bieten vollwertige Girokonten kostenlos an und stellen dabei deutlich weniger Anforderungen als traditionelle Banken. N26 beispielsweise führt zwar eine Schufa-Anfrage durch, ist dabei aber deutlich liberaler als eine Sparkasse. Wer keine deutschen Schufa-Einträge hat — was bei Neuankömmlingen typischerweise der Fall ist — hat sehr gute Chancen auf eine unkomplizierte Kontoeröffnung.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Ein kostenloses reguläres Konto ist einem bezahlpflichtigen Basiskonto immer vorzuziehen. Sie erhalten mehr Leistungen — inklusive Kreditkarte — und zahlen nichts dafür. Erst wenn Sie bei N26, DKB oder ING abgelehnt werden, sollten Sie das gesetzliche Basiskonto-Recht in Anspruch nehmen.
Die Lösung:
Wenn Sie neu in Deutschland sind oder kein reguläres Konto bekommen haben: Beantragen Sie ein Basiskonto bei einer deutschen Bank. Laut §31 ZKG müssen sie Ihren Antrag annehmen. Besser noch: Eröffnen Sie direkt ein kostenloses Konto bei N26 oder DKB — ohne Wartezeit, komplett online, und ohne monatliche Grundgebühr. Sie benötigen lediglich Ihren Reisepass und eine deutsche Adresse. Bei Problemen wenden Sie sich an die Verbraucherzentrale oder stellen Sie eine BaFin-Beschwerde.
Häufige Fragen zum Basiskonto-Recht
Kann die Bank verlangen, dass ich monatlich ein Mindestgehalt einzahle? Nein. Das Basiskonto darf keine Anforderung an Mindesteingänge stellen. Auch ein temporärer Arbeitslosenstatus oder der Bezug von ALG II schließt Sie nicht aus.
Was kostet das Basiskonto maximal? Das Gesetz schreibt „angemessene Entgelte" vor. Die BaFin hat wiederholt Banken gerügt, die überhöhte Gebühren verlangt haben. Aktuell gelten Beträge über 13–15 Euro monatlich als bedenklich. Eine Klage der Verbraucherzentrale hat 2023 erfolgreich eine Sparkasse zur Senkung der Basiskonto-Gebühren gezwungen.
Kann ein Asylsuchender mit laufendem Verfahren ein Basiskonto eröffnen? Ja, ausdrücklich. Der Gesetzgeber hat dies 2016 bewusst eingeschlossen. Selbst wer nur einen Ankunftsnachweis oder eine Aufenthaltsgestattung hat, hat Anspruch auf das Basiskonto.
Quellen & weiterführende Links
