In Deutschland ist die Schufa allgegenwärtig. Wohnungssuche, Handyvertrag, Ratenkredit — bei fast jeder wichtigen finanziellen Entscheidung fragt irgendwer Ihre Bonität ab. Beim Girokonto ist es nicht anders: Traditionelle Banken lehnen Anträge bei negativen Schufa-Einträgen routinemäßig ab. Und für Einwanderer, die gar keine deutschen Schufa-Einträge haben, stellt das paradoxerweise ein ähnliches Problem dar — eine leere Schufa-Akte wird von manchen Banken fast genauso kritisch bewertet wie eine negative. Doch es gibt Wege, die funktionieren: gesetzliche Rechte, alternative Anbieter und clevere Strategien, die in diesem Artikel Schritt für Schritt erklärt werden.

Das Problem:

Etwa 6,8 Millionen Menschen in Deutschland haben laut Schufa-Statistik negative Einträge. Für Einwanderer ohne deutschen Schufa-Verlauf ist das Problem anders: keine Einträge bedeutet oft auch Ablehnung bei traditionellen Banken, da das Kreditrisiko als unbekannt gilt. Das Ergebnis ist dasselbe — kein Konto — obwohl die Hintergründe völlig verschieden sind.

Was ist die Schufa und was prüfen Banken wirklich?

Die Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ist Deutschlands größte Auskunftei. Sie sammelt Daten über das Zahlungsverhalten von über 68 Millionen Verbrauchern in Deutschland. Wenn eine Bank Ihren Antrag prüft, fragt sie bei der Schufa an und erhält einen Score-Wert sowie eine Liste Ihrer bisherigen Kredite, Konten und etwaiger Zahlungsverzüge.

Wichtig zu verstehen: Es gibt zwei Arten von Schufa-Anfragen:

Das bedeutet: Selbst wenn N26 Ihre Schufa abfragt, schadet das Ihrer Bonität nicht und ist für andere Banken unsichtbar. Sie können also parallel bei mehreren Neobanken einen Antrag stellen, ohne Ihren Score zu verschlechtern.

Gut zu wissen:

Laut §34 BDSG haben Sie das Recht, einmal jährlich kostenlos eine vollständige Schufa-Auskunft zu erhalten. Nutzen Sie dafür meineschufa.de (Datenkopie nach Art. 15 DSGVO — kostenlos!). Überprüfen Sie alle Einträge auf Fehler; falsche Negativeinträge können gelöscht werden.

Welche Banken akzeptieren Kunden ohne oder mit schlechter Schufa?

Die folgende Übersicht zeigt, welche Anbieter für Menschen mit problematischer oder fehlender Schufa in Frage kommen — von günstig bis kostenlos:

Bank / Anbieter Monatliche Gebühr Schufa-Prüfung Bei negativer Schufa Bei fehlender Schufa Besonderheit
N26 Standard 0 € Weich (kein Score-Einfluss) Möglich (Einzelfall) ✔ Sehr gut möglich Mehrsprachig, schnellste Eröffnung
Revolut Standard 0 € Sehr moderat Möglich ✔ Sehr gut möglich Mehrwährungskonto, E-Geld-Institut
Fidor Bank 0–4,90 € Moderat Eingeschränkt möglich ✔ Gut möglich Community-Banking-Konzept
Sparkasse Basiskonto 8–13 € Nicht relevant (§31 ZKG) ✔ Gesetzlich verpflichtet ✔ Gesetzlich verpflichtet Teuerste Option, aber rechtssicher
Postbank Basiskonto ~9,90 € Nicht relevant (§31 ZKG) ✔ Gesetzlich verpflichtet ✔ Gesetzlich verpflichtet Postfilialen deutschlandweit
norisbank Basiskonto ~6,90 € Nicht relevant (§31 ZKG) ✔ Gesetzlich verpflichtet ✔ Gesetzlich verpflichtet Deutsche Bank Tochter
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N26 — Einfache Kontoeröffnung, auch ohne Schufa-Geschichte

N26 führt nur eine weiche Schufa-Anfrage durch, die Ihren Score nicht beeinflusst. Für Neuankömmlinge in Deutschland ohne bisherige Schufa-Einträge ist N26 die empfohlene erste Adresse.

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Schufa-relevante vs. Schufa-neutrale Kontoeröffnung

Nicht alle Bankaktionen haben denselben Einfluss auf Ihren Schufa-Score. Die folgende Tabelle klärt auf, was Ihre Bonität beeinflusst und was nicht:

Bankaktion Schufa-Eintrag? Score-Einfluss? Sichtbar für andere Banken? Empfehlung
Girokonto eröffnen (Neobank) Weicher Eintrag ✔ Kein negativer Einfluss Nicht sichtbar Unbedenklich
Girokonto eröffnen (Filialbank) Variiert Meist kein Einfluss Meist nicht sichtbar Unbedenklich
Kreditantrag ✗ Harter Eintrag Negativer Einfluss (temporär) Ja, 12 Monate sichtbar Sparsam einsetzen
Dispokreditrahmen nutzen Kein neuer Eintrag Kein direkter Einfluss Nicht sichtbar Unbedenklich (wenn zurückgezahlt)
Zahlungsverzug > 60 Tage ✗ Negativer Eintrag Stark negativer Einfluss Ja, bis 3 Jahre Unbedingt vermeiden
Konto kündigen Schließungsvermerk Kein negativer Einfluss Ja, kurzzeitig Unbedenklich

Das gesetzliche Basiskonto als Notfalloption

Wenn alle anderen Optionen scheitern — Neobanken lehnen ab, traditionelle Banken ebenfalls — greift das gesetzliche Sicherheitsnetz: das Basiskonto gemäß §31 Zahlungskontengesetz (ZKG). Jede deutsche Bank ist verpflichtet, jedem Antragsteller mit rechtmäßigem oder geduldeten Aufenthalt in der EU ein Basiskonto zu eröffnen — unabhängig von Schufa-Einträgen, Nationalität oder Einkommen.

Das Basiskonto ist zwar teurer als ein reguläres Konto (typischerweise 8–13 €/Monat) und hat eingeschränkte Funktionen (kein Überziehungsrahmen, keine Kreditkarte), aber es erfüllt alle Grundfunktionen: Überweisungen empfangen und senden, Girocard nutzen, Daueraufträge einrichten. Für die meisten Menschen, die einfach einen Zugang zum Bankensystem benötigen, reicht das vollkommen aus.

Wie Sie Ihren Schufa-Score langfristig verbessern

Wer heute noch mit einer schwachen Schufa kämpft, kann seinen Score systematisch verbessern. Diese Maßnahmen wirken nachweislich positiv:

Die Lösung:

1) Beantragen Sie Ihre kostenlose Schufa-Selbstauskunft auf meineschufa.de (Art. 15 DSGVO — kostenlos). 2) Wenn Sie keine deutschen Schufa-Einträge haben: Eröffnen Sie bei N26 — die Prüfung ist sehr moderat und beeinflusst Ihren Score nicht. 3) Bei negativen Einträgen: Probieren Sie zuerst N26 oder Revolut, da diese Neobanken toleranter sind. 4) Als letztes Mittel: Beantragen Sie ein Basiskonto bei der nächsten Sparkasse — sie sind per Gesetz zur Annahme verpflichtet, unabhängig von Ihrer Schufa.