Die Rentenlücke ist der Unterschied zwischen dem Geld, das Sie im Ruhestand von der gesetzlichen Rentenversicherung bekommen, und dem Betrag, den Sie tatsächlich zum Leben brauchen. Für die meisten Menschen in Deutschland ist diese Lücke erschreckend groß — und wird es mit dem weiter sinkenden Rentenniveau bleiben. Das Gute: Wer die Lücke kennt und rechtzeitig handelt, kann sie systematisch schließen.

Dieser Artikel führt Sie in fünf Schritten durch die persönliche Rentenlücken-Berechnung und zeigt konkret, wie viel Sie sparen müssen, um die Lücke zu schließen — abhängig von Ihrem Alter und Ihrer aktuellen Situation.

⚠ Das Problem: Das Rentenniveau sinkt weiter

Das Rentenniveau in Deutschland ist auf 48% des Nettolohns gesunken — und soll weiter fallen. Wer heute 50 Jahre alt ist und 2.500 Euro netto verdient, muss damit rechnen, mit ca. 1.200 Euro Rente im Monat auszukommen. Die Rentenlücke von 1.300 Euro muss durch private Vorsorge gedeckt werden. Wer nicht handelt, riskiert Altersarmut.

Ihre persönliche Rentenlücke in 5 Schritten berechnen

Schritt Berechnung Beispiel (Nettolohn 3.000 €) Wo finden Sie die Zahl?
Schritt 1 Voraussichtliche gesetzliche Rente ermitteln ca. 1.440 € (48% von 3.000 €) Rentenauskunft von der DRV (rentenversicherung.de)
Schritt 2 Gewünschtes monatliches Einkommen im Ruhestand ca. 2.400 € (80% des aktuellen Einkommens) Persönliche Einschätzung / Budgetplanung
Schritt 3 Rentenlücke = Schritt 2 minus Schritt 1 2.400 − 1.440 = 960 €/Monat Eigene Berechnung
Schritt 4 Benötigtes Kapital = Lücke × 300 (25 Jahre Ruhestand) 960 × 300 = 288.000 € Faustformel; genauer mit Rentenrechner
Schritt 5 Monatliche Sparrate berechnen (je nach Alter und Rendite) Ca. 440 €/Monat (ab 40 J., 6% Rendite, 25 Jahre) ETF-Sparplan-Rechner (z. B. auf justetf.com)

Die Faustformel "Lücke × 300" ist eine grobe Vereinfachung: Sie geht davon aus, dass Sie 25 Jahre Rente beziehen und Ihr Kapital in dieser Zeit aufgezehrt wird (ohne weitere Rendite). Für eine genauere Berechnung nutzen Sie den kostenlosen Rentenrechner des Bundesfinanzministeriums.

Altersgerechte Sparempfehlungen

Je früher Sie anfangen, desto weniger müssen Sie monatlich sparen — dank des Zinseszins-Effekts. Die folgende Tabelle zeigt, welche Vorsorgestrategie in welchem Lebensabschnitt sinnvoll ist:

Altersgruppe Prioritäten Empfohlene Produkte Typische Sparrate
25–35 Jahre Früh anfangen, Flexibilität erhalten ETF-Sparplan (MSCI World), bAV wenn Arbeitgeberzuschuss 10–15% des Nettoeinkommens
35–45 Jahre Diversifizieren, Förderung nutzen ETF + Riester (wenn Kinder) + bAV ausschöpfen 15–20% des Nettoeinkommens
45–55 Jahre Risiko reduzieren, Lücke analysieren ETF mit höherem Anleihenanteil, Immobilie tilgen 20–25% des Nettoeinkommens
55–65 Jahre Kapital schützen, Ausgaben planen Kapitalerhalt, Tagesgeld für kurzfristige Ausgaben, Rentenversicherung prüfen 25–30% des Nettoeinkommens

Die Rentenauskunft: Ihr Ausgangspunkt

Bevor Sie irgendwelche Schritte unternehmen, müssen Sie wissen, wie hoch Ihre voraussichtliche gesetzliche Rente ist. Die Deutsche Rentenversicherung verschickt ab dem 27. Lebensjahr automatisch eine jährliche Renteninformation per Post. Aber Sie können die Daten jederzeit online abrufen:

  1. Gehen Sie auf rentenversicherung.de
  2. Registrieren Sie sich im Online-Portal (kostenlos)
  3. Laden Sie Ihre aktuelle Rentenauskunft herunter
  4. Notieren Sie die "voraussichtliche Regelaltersrente" — das ist Ihr Ausgangswert für die Berechnung

Achtung: Die angegebene Rente ist in heutigen Euros. Im Rentenalter kann der tatsächliche Betrag höher sein (durch Rentenanpassungen), aber auch die Kaufkraft durch Inflation geringer.

Steuern auf die Rente: Was viele vergessen

Die gesetzliche Rente ist in Deutschland steuerpflichtig — der steuerpflichtige Anteil steigt jedes Jahr. Wer 2026 in Rente geht, muss 83% seiner gesetzlichen Rente versteuern. Das bedeutet: Wenn Sie Ihre Rentenlücke berechnen, müssen Sie die Steuer auf die Rente berücksichtigen. Die Nettorente ist niedriger als die Bruttorente.

Beispiel: Bruttorente 1.440 Euro, 83% steuerpflichtig = 1.195 Euro steuerpflichtiger Anteil. Nach Steuern (bei niedrigem Steuersatz im Rentenalter) bleiben etwa 1.300–1.350 Euro netto.

Rentenlücke bei Einwanderern: Besondere Situation

Für Einwanderer ist die Rentenlücke oft noch größer als für Menschen, die ihr ganzes Berufsleben in Deutschland verbracht haben:

Das bedeutet: Einwanderer sollten frühzeitig und aktiver privat vorsorgen als jemand, der sein ganzes Leben in Deutschland gelebt hat. Der ETF-Sparplan ist dabei oft die beste Wahl — flexibel, günstig und nicht an einen bestimmten Aufenthaltsstatus gebunden.

✓ Drei konkrete Schritte, die Sie jetzt tun können

1. Rufen Sie Ihre aktuelle Rentenauskunft kostenlos bei rentenversicherung.de ab. 2. Berechnen Sie Ihre Rentenlücke mit dem kostenlosen Rechner auf bundesfinanzministerium.de. 3. Richten Sie sofort einen ETF-Sparplan mit mindestens 50–100 Euro pro Monat ein — je früher, desto weniger müssen Sie insgesamt einzahlen. Jedes Jahr zählt!

Fazit: Die Lücke ist lösbar — wenn man handelt

Die Rentenlücke ist real und wird in Zukunft größer werden. Aber sie ist nicht unüberwindbar. Mit einer klaren Strategie, dem richtigen Mix aus ETF-Sparplan, betrieblicher Altersvorsorge und ggf. Riester-Rente — und vor allem: frühem Anfangen — kann die meisten Menschen ihren Lebensstandard im Alter sichern.

Der größte Fehler ist nicht, die falsche Strategie zu wählen. Der größte Fehler ist, gar nichts zu tun.

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