Beim Entrümpeln eines Kellerraums stieß eine 58-jährige Kölnerin auf ein altes Sparbuch ihrer Mutter aus dem Jahr 2002 — mit einem Kontostand von knapp 9.000 Euro. Was danach geschah, hat selbst die zuständige Bankberaterin überrascht: Nach Zinsen und aufgelaufenen Gutschriften erhielt sie insgesamt 18.400 Euro ausgezahlt.

Der Fund im Keller

Monika H., Krankenpflegerin aus Köln-Ehrenfeld, hatte den Keller ihrer verstorbenen Mutter monatelang aufgeschoben aufzuräumen. Als sie im Februar schließlich begann, stieß sie hinter alten Kartons auf ein Sparbuch der Volksbank Köln-Bonn, das seit 2002 unangetastet geblieben war.

„Ich dachte zunächst, das Geld sei längst weg", erzählt sie. „Wir hatten das Konto schlicht vergessen." Gemeinsam mit einem Erbnachweis und dem Originalsparbuch wandte sie sich an die Bank — und erlebte eine Überraschung.

Zinsen über zwei Jahrzehnte

Das Guthaben von 2002 hatte über die Jahre geringfügige, aber stetige Zinsgutschriften erhalten. Hinzu kamen Ausschüttungen aus einem kleinen Fondssparplan, der mit dem Konto verknüpft war und ebenfalls in Vergessenheit geraten war. Zusammen ergab sich ein Gesamtbetrag von 18.427 Euro — den die Bank nach Prüfung der Unterlagen vollständig auszahlte.

Die zuständige Filialleiterin bestätigte gegenüber SmilingNature, dass solche Fälle keineswegs selten seien: „Wir haben mehrmals im Jahr Anfragen wegen alter Sparbücher oder Konten von Verstorbenen. Viele Menschen unterschätzen, wie lange Banken verpflichtet sind, Guthaben zu verwahren."

Was das Gesetz sagt

In Deutschland unterliegen Bankguthaben keiner Verjährungsfrist im eigentlichen Sinne — Banken sind grundsätzlich verpflichtet, Einlagen zurückzuzahlen, solange sie existieren. Konten ohne Umsatz werden als „ruhende Konten" geführt und nach zehn Jahren Inaktivität intern markiert, bleiben aber bestehen. Erst wenn eine Bank aufgelöst wird, greift ein spezieller gesetzlicher Rahmen.

Wer alte Sparbücher oder Kontoauszüge findet, sollte sich direkt an die jeweilige Bank oder deren Rechtsnachfolger wenden. Bei Fusionen — etwa Volksbank übernimmt Raiffeisenbank — ist der neue Träger zur Auszahlung verpflichtet.

Praktischer Hinweis: Die Bundesbank führt kein zentrales Register vergessener Konten. Bei unklarer Bankzugehörigkeit hilft die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht), die eine Liste aller aktiven deutschen Banken und ihrer Rechtsnachfolger veröffentlicht. Der Bankverband bietet zudem einen kostenlosen Kontosuchservice an.

Reaktion der Familie

Monika H. sagt, sie wolle das Geld in eine neue Küche investieren — und den Rest auf ein modernes Konto legen, das sie leicht digital verwalten kann. „Nach dieser Geschichte habe ich beschlossen, meine Finanzen übersichtlicher zu gestalten. Ich will wissen, wo mein Geld ist."

Ihr Fall hat in sozialen Netzwerken breite Resonanz gefunden. Zahlreiche Nutzer berichteten von ähnlichen Erlebnissen — alten Sparkonten der Großeltern, vergessenen Bausparverträgen oder Dividendenausschüttungen, die jahrelang auf einem ungenutzten Depot lagen.

So sucht man nach vergessenen Konten

Wer vermutet, dass Familienangehörige vergessene Konten hinterlassen haben, sollte folgende Schritte unternehmen: Alte Unterlagen durchsuchen; die Bank direkt kontaktieren (Kontonummer oder Name der Person genügen oft); bei Bedarf einen Erbschein vorlegen. Die meisten Banken bearbeiten solche Anfragen kostenfrei. Eine Frist gibt es nicht — das Geld wartet.